Valentine Michaud

«Ich möchte das Saxofon einem breiten Publikum nahebringen und in Zusammenarbeit mit Komponisten das Repertoire meines Instruments erweitern.»

Biografie

Meine Ziele

«Ich möchte das Saxofon einem breiten Publikum nahebringen und in Zusammenarbeit mit Komponisten das Repertoire meines Instruments erweitern. Neben einer klassischen Karriere als Solistin oder Kammermusikerin (Duo mit Klavier, Saxofonquartett...), möchte ich auch aus der traditionellen Konzertform ausbrechen. Ich bin sehr an anderen Kunstformen interessiert und arbeite unter anderem an «Glitch», einem Bühnenstück für zwei Saxofone, zwei Tänzer und einem Maler, das Improvisation und Repertoirestücke miteinander verbindet und mir eine andere Herangehensweise an die Bühne und das Publikum ermöglicht.»

Biografie

Valentine Michaud, geboren am 22. November 1993, beginnt im Alter von 8 Jahren Saxofon zu spielen, zwei Jahre später folgt das Klavier. Mit 16 Jahren wird sie an der Musikhochschule Lausanne in die Klasse von Pierre-Stéphane Meugé aufgenommen und nimmt an der Sorbonne (Paris IV) ein Musikwissenschaftsstudium auf. 2013 schliesst sie beide Studiengänge mit einem Bachelor ab. 2015 schliesst sie den Masterstudiengang in Musikpädagogik ab und studiert anschliessend an der Zürcher Hochschule der Künste in der Klasse von Lars Mlekusch (Master in Specialized Music Performance).

Michaud ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe und spielt regelmässig Konzerte, sowohl als Solistin oder im Duo mit Klavier (Duo Akmi), als auch im Orchester oder Saxofonquartett. Sie trägt zur Erweiterung des Repertoires ihres Instruments bei und bringt unter anderem 2016 in Zürich das multidisziplinäre Stück «Glitch» für zwei Tänzer, zwei Saxofone und einen Maler auf die Bühne.

Repertoire

Ich setze mich für den Reichtum und die Vielseitigkeit des Saxofonrepertoires ein, von Transkriptionen über moderne Werke bis hin zur Kreation eines neuen Repertoires in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten. Zu meinen Lieblingswerken für Saxofon und Klavier zählen die Sonate von Denisov oder die Sonate von Albright. Als Solistin schätze ich besonders das Werk «In Freundschaft» von Stockhausen mit seinem geradezu theatralen Ansatz.

Auszeichnungen

  • 2016: Studienpreis und Förderpreis des Migros-Kulturprozent
  • 2016: Prix Crédit Suisse Jeunes Solistes
  • 2016: 1. Preis und Selmer Paris Preis, IV Jurjans Andrejs International Woodwind Competition, Riga
  • 2016: 1. Preis Orpheus Swiss Chamber Music Competition, duo AKMI
  • 2016: 3. Preis Rising Stars Grand Prix Competition, Berlin, duo AKMI
  • 2016: 2. Preis ZHdK Competition for Contemporary chamber music, Zürich, mit Markus Hallikainen (Cello)
  • 2015: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
  • 2015: Finalistin der Moscow International Saxophone Competition
  • 2015: Finalistin der Odessa 2nd International Saxophone Competition
  • 2015: Prix Paleo-Hes-so
  • 2015: Kulturstipendium der Stiftung Leenaards

Rezensionen

2016: Zett Portrait, Zürcher Hochschule der Künste
2016: Elle remporte un concourse international de musique, Ouest-France
2016: Valentine Michaud, saxophoniste globe-trotteuse, Le Courrier du pays de Retz

Kontakt

AKMI duo (Duo Saxofon-Klavier)
Paradieshofstrasse 168
CH–4054 Basel

akmiduo@gmail.com
+41 78 803 80 68
www.facebook.com/akmiduo

Die grosse Bühne namens Leben

Talent des Monats

1. März 2017, Katharina Nill

Valentine Michaud betrachtet das ganze Leben als grosse Bühne und liebt es, sich darzustellen. Da liegt eine Karriere als Berufsmusikerin in klassischem Saxofon für die zweifache Migros-Kulturprozent Studien- und Förderpreisträgerin nahe.

Leichtgängig und offen spricht die lebendige, junge Saxofonistin über sich und ihren Werdegang. Seit sieben Jahren lebt Valentine Michaud nun in Lausanne, seit zwei Jahren pendelt sie regelmässig nach Zürich. Obwohl die gebürtige Französin dort grosse Fortschritte mit ihrem Deutsch gemacht hat, führt sie das Interview lieber auf Englisch. Das Ergebnis: ein entwaffnend charmanter Akzent, wie er nur französischen Muttersprachlern zu eigen ist.

«2016 endete damit, dass ich zum zweiten Mal den Studien- und Förderpreis des Migros-Kulturprozent sowie den Prix Credit Suisse Jeunes Solistes 2017 gewann», sagt Valentine Michaud. Auch 2017 warten einige Meilensteine darauf, erreicht zu werden. Sie wird ihr zweites Studium in klassischen Saxofon an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK abschliessen, und zum ersten Mal am Lucerne Festival, beim Swiss Chamber Music Festival Adelboden sowie am Zurich International Saxfest auftreten: «Durchaus grosse Schritte für mich.»

Goldenes Instrument

Valentine Michaud ist acht Jahre alt, als sie mit dem Saxofon beginnt. «Als kleines Mädchen reizte es mich, ein goldenes Instrument zu spielen. Es musste das grösste unter den goldfarbenen sein!» Auch der Ton gefiel ihr natürlich. Als ihr damaliger Lehrer seine zehnjährige Schülerin auf eine Konzert-Tour durch die Ukraine mitnimmt, weiss die junge Valentine Michaud, dass sie Berufsmusikerin werden will. Zu ihrem Saxofon hat sie vor allem eine sensorische Beziehung: «Ich mag die Nähe zum Körper: Es fühlt sich wie eine Erweiterung meiner selbst an.»

Zwar ist ihre Familie überrascht von der Wahl ihres Musikinstruments, ermutigt sie jedoch damals wie heute in ihrem Spiel. «Meine Mutter ist Grafikdesignerin, mein Vater zeichnet Comics. Ich habe von klein auf mitbekommen, was ein Künstlerleben bedeutet: unregelmässige Einkünfte, harte Arbeit und viel Übung. Ich wusste also immer, worauf ich mich als Profimusikerin einlassen würde.»

Nantes, Lausanne, Zürich

In Nantes, wo die gebürtige Pariserin aufwächst, besucht sie zunächst eine Schule für junge Profimusiker. Sie lernt den regulären Schulstoff am Vormittag und verbringt die Nachmittage im Konservatorium. Auf Grund herausragender Schulnoten überspringt sie eine Schulklasse. «Einerseits ist es natürlich toll, früher dran zu sein als andere. Andererseits war es auch schwierig, in einem so jungen Alter grosse Lebensentscheidungen zu treffen.» Sie ist nämlich erst 16 Jahre alt, als sie die Schule mit dem Bac abschliesst und sich für ein Musikstudium entscheiden muss. «In die Schweiz zu gehen, war eine glückliche Fügung. Eine Freundin empfahl mir die Haute Ecole de Musique in Lausanne.» Michaud mag Lausanne und ihre Schule auf Anhieb, findet schnell einen Nebenjob als Musiklehrerin und hat Konzertauftritte: «Und so blieb ich!»

An der HEMU Lausanne absolviert sie zunächst einen Bachelor of Arts in Musik (klassisches Saxofon), dann einen Master of Arts in Musikpädagogik. Das ermöglicht einen willkommenen Wechsel: «von Privatunterricht zum Unterrichten an Musikschulen.» Sie ist immer noch vergleichsweise jung und merkt, dass sie noch mehr lernen möchte: «Über das Saxofon, über Musik, natürlich auch über Technik … Meine Identität als Künstlerin war irgendwie noch nicht vollständig ausgebildet. Welche Art von Musik wollte ich überhaupt spielen? Wohin sollte ich meine Zukunft lenken?»

Sie wird an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) am Departement Musik für jene Master-Ausbildung mit der anspruchsvollsten Aufnahmeprüfung aufgenommen: Performance Klassik in der Vertiefung Solist. Der Studiengang trifft ihre Interessen in mehrerlei Hinsicht: «Ich konnte Unterricht bei Professor Lars Mlekusch nehmen, endlich Deutsch lernen und gleichzeitig meinen Job als Lehrerin behalten. Zudem faszinierte mich der interdisziplinäre Zugang der Kunsthochschule: Shows faszinieren mich seit jeher mehr als Konzerte, ebenso wie die Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Bereichen.» Und siehe da: «Alle Wünsche gingen in Erfüllung!»

Grosse Sprünge

Blickt sie auf die letzten zwei Jahre an der ZHdK zurück, hat sie sich stark weiterentwickelt. Das verdankt Michaud zum einen ihrem neuen Lehrer: «Als ich mit 16 in Lausanne ankam, hatte ich wirklich keine Ahnung von nichts. Nach fünf Jahren an ein- und demselben Ort war es eine interessante Erfahrung, an eine neue Schule zu kommen und kein Anfänger mehr zu sein. Das spiegelte sich im Verhältnis zu meinem neuen Lehrer, aber auch im Umgang mit meinen Kommilitonen.»

Im Nu initiiert sie ihr eigenes interdisziplinäres Projekt «GLITCH» und führt es an zwei Abenden vor je 200 Menschen in Zürich auf. Mit einem weiteren Saxofonisten, zwei Tanz-Studierenden und ihrem Bruder, der Grafik studiert, stellt sie die Schöpfungsgeschichte neu dar. «Ich habe so viel gelernt bei der Realisierung: über Planung und Koordination, Bühne, Produktion, Auftreten und Werbung. Vor allem aber habe ich gemerkt, dass ich generell fähig bin, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.»

Ein schöner Zufall spült Valentine Michaud die Pianistin Akvile Sileikaite vor die Füsse, mit der sie 2015 das AKMI Duo gründet. Eine unübliche Kombination: «Normalerweise bringen andere Musiker wenig Begeisterung für das Zusammenspiel mit klassischem Saxofon auf. Allen voraus die Pianisten, deren Repertoire ja enorm ist! Das liegt an dem begrenzten Repertoire des noch jungen klassischen Saxofons, das hauptsächlich aus Neuer Musik besteht.» Da kommt es überraschend, dass ausgerechnet die Pianistin das Duo anregt. «Wir hatten sofort eine Wellenlänge, auch emotional. Und von den oft furchterregenden Noten der zeitgenössischen Musik lässt sie sich nicht abschrecken. Akvile experimentiert nicht nur gern, sondern sie ist menschlich und musikalisch aussergewöhnlich.» Die beiden treten gemeinsam an Kammermusik-Wettbewerben auf, und Sileikaite begleitet Michaud an den sich mehrenden Solo-Wettbewerben.

Lust am Unbekannten

Michaud hat sich zum Ziel gesetzt, das klassische Saxofon einem breitem Publikum bekannter zu machen. Aber bitte nicht dadurch, das Standard-Repertoire abzuspulen! «Natürlich kenne ich dieses Repertoire gut und übe es auch stetig, als Saxofonistin bleibt mir gar nichts anderes übrig. Doch gerade wegen seiner Grenzen bin ich neugierig auf anderes.» Sie hält viel von der zeitgenössischen Szene des Saxofons: «Die ist äussert lebendig. Das klassische Saxofon fordert die Zusammenarbeit mit Komponisten geradezu heraus, lebt vom gegenseitigen Ratschlag und dem gemeinsamen Prozess des Komponierens.» Ihre bevorzugten Stücke beschreibt Michaud so: «Am liebsten spiele ich eindringliche Musik. Musik, die eine unmittelbare Verbindung mit dem Publikum herstellt.»

Als das Gespräch auf Idole fällt, erinnert sie sich an einen Meisterkurs zurück: «Timothy McAllister! Ein Virtuose, Professor an der Michigan University. Ein solches Spiel habe ich noch nie gehört! Ich fragte mich die ganze Zeit: Wie um alles in der Welt ist das möglich? Sein Spiel wirkte technisch und musikalisch so leichtgängig, ich war tief beeindruckt. Leute wie er bringen das Saxofon voran, indem sie laufend dessen Repertoire erweitern.» Auch für Martha Argerich oder Anne-Sophie Mutter hat Michaud viel Bewunderung: «Sie zeigen beispielhaft, wie eine Karriere als Frau und aussergewöhnliche Musikerin aussehen könnte – und funktioniert! Das bestärkt mich.»

Vorhang auf

An Träumen und Visionen mangelt es der talentierten Querdenkerin ohnehin nicht. «Toll wäre natürlich, nur von Konzerten leben zu können, in berühmten Konzerthäusern wie der Berliner Philharmonie oder der Carnegie Hall zu spielen oder eine CD aufzunehmen. Langfristig würde ich gerne mit fortgeschrittenen Saxofon-Schülern zusammenarbeiten … Aber dazu muss ich erst einmal eine eigene Karriere haben.»

Beim Basteln an dieser Karriere wird selbst der energiegeladenen Michaud manchmal alles zu viel: «Wettbewerbe, Konzerte, Website, Unterricht, Unterrichten, Pendeln, Heimweh …» Da hilft es ihr, einen Schritt hinauszumachen: «Neben Salsa-Tanzen, gibt mir das Nähen sehr viel. Ich nähe meine eigene Kleidung und manchmal auch Kostüme für die Oper. Das kostet so viel Zeit! Aber meine Ungeduld gerät mir hier zum Vorteil: Einmal begonnen kann ich nicht aufhören, bis das Teil fertig genäht ist. Das Nähen liegt meiner eigentlichen Profession viel näher als es zunächst scheint. Es hat auch sehr viel mit Bühne zu tun.»

Nach einem Innehalten erläutert sie: «Ich mag die Bühne. Ich denke gerne in grossen Dimensionen und die Bühne ist dafür bestens geeignet, weil sie allerhand abdeckt: Performance, Kostüme, das Set, das Drama … Ich liebe es, mich darzustellen. Ich betrachte das Leben als grosse Bühne, und mache mich deshalb auch gerne entsprechend zurecht.» Bei einem angeborenen Künstler-Gen ist das eigentlich nicht anders zu erwarten. Die Karriere kann kommen, Vorhang auf für ein reizendes Nachwuchstalent.


Website von Valentine Michaud

Nächste Konzerte:
3.–5.05.: Zurich Saxfest
17.08.: Lucerne Festival

Auftritte

  • 2016: Konzertabend mit Akvilé Sileikaité, Marianischer Saal Luzern
  • 2016: Bild einer Ausstellung, Mussorgsky, mit dem Mariinsky Orchestra unter der Leitung von Valery Gergiev, Tonhalle Zürich, KulturKasino Bern (CH)
  • 2016: Long Night of Contemporary Music, Toni-Areal Zürich (CH)
  • 2016: Concerto für Saxofon von Alexandre Glazunov, mit dem lettischen Nationalsymphonieorchester, Riga Great Guild Hall, live auf Radio Lettone (Channel 3) (LTU)
  • 2016: Prix Walo, Konzert mit Amit Dubester, Schwyz (CH)
  • 2016: Festival «Autour d'un Piano», Konzert mit dem duo AKMI, Bernerie-en-Retz (FR)
  • 2016: Lavaux Classics Festival, Konzert im Duo mit Alexis Rebeté, Cully (CH)
  • 2016: Festival de la Cité, Konzert des Quatuor Parallèle, Lausanne (CH)
  • 2016: «Glitch», Performance für 2 Saxofonisten, 2 Tänzer und einen Maler, Kreation am Theater der Künste Zürich (CH)
  • 2016: Vienna Int. Sax Fest, Solokonzert, Ensemble und Quartett, Wien (AUT)
  • 2015: Odessa Philarmonic Hall, Solokonzert, Odessa (UKR)
  • 2015: Gnessin Academy Hall, Concerto für Saxofon und Orchester von Youri Sterling mit dem Orchester der Gnessin Academy, Moskau (RUS)
  • 2015: Long Night of Contemporary Music, Solokonzert, Duo und Saxofonensemble, Zürcher Hochschule der Künste (CH)
  • 2015: 1er «Sax Up!», Workshop, Organisation der Konzertveranstaltung des Quatuor Parallèle, Renens (CH)
  • 2015: KALIMA Festival, Duo mit Ramon Lormans (Marimba), Lausanne (CH)
  • 2015: RTS, Sendung «Magma», Duo mit Aurélie Jarjaye (Sopran)
  • 2015: Konzert am Paléo Festival und im Esplanade Singapur mit dem Orchestre des Continents, «Roméo et Juliette», unter der Leitung von Thierry Fischer, Nyon (CH)
  • 2015: Saxopen, World Saxophone Congress, Konzert mit Saxofonensemble, Strassburg (FR)
  • 2015: Cully Classique, Duo mit Juliette Rangheard (Klavier), Cully (CH)
  • 2014: Tournee mit dem Orchester der Oper Lausanne unter der Leitung von Jacques Blanc, Phi-Phi, La Route Lyrique (CH)

«Concerto in Es-Dur» Für Saxofon und Streichorchester von Alexander Glazunov mit dem lettischen Nationalsymphonieorchester, Great Guild Hall Riga


«Fantaisie Brillante» auf Melodien aus «Carmen», François Borne, duo AKMI, Finale des Prix Crédit Suisse Jeunes Solistes, Luzern


«Glitch» (Trailer), Spectacle pour 2 saxophonistes, 2 danseurs et peintre, création au Theater der Künste Zürich


«Rasch» von Georges Aperghis, mit Lukas Züblin (Alto), Berio Saal Wien, Österreich


«In Freundschaft» von Karlheinz Stockhausen, Sopransaxofon-Solo


«Magma», Tournee der Musikhochschulen, RTS Espace 2, Duo Saxofon-Gesang mit Aurélie Jarjaye

Zum Interview: www.rts.ch


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